Das Nadelöhr jeder Partnerschaft
Für jedes Paar ist es möglich, eine glückliche Partnerschaft zu führen!
Eine wesentliche Voraussetzung ist, dass Sie sich lieben und beide die Absicht haben, eine erfüllte Partnerschaft zu leben.
Jedes Paar macht irgendwann die Erfahrung, dass Probleme auftauchen. Man geht diese auf die verschiedensten Wege an und versucht sie aus dem Weg zu räumen, was aber nicht so einfach ist. Es erscheint eher so, dass die Probleme ein Gummiband haben und immer wieder zurückkommen, egal was man tut. Sie erscheinen unüberwindlich.
Wenn das Problem sich auftürmt wie ein großer Berg, dann kann man das Problem nicht lösen, indem man den Berg leugnet oder versucht ihn abzutragen.
Wieso geht das eigentlich nicht? Das Problem ist Teil der eigenen Persönlichkeit und Geschichte und man kann es nur „überwinden“, indem man es als solches annimmt und den Weg hindurch findet.
Wenn ich in dem Bild mit dem Berg bleibe, geht es darum, den Tunnel durch den Berg zu finden und zu benutzen. Von weitem sieht der Tunnel wie ein Nadelöhr aus, aber je näher man sich dem Berg und dem Tunneleingang nähert, desto mehr erkennt man, dass die Straße breit genug ist, um bequem auf die andere Seite zu kommen. Eine erfüllte Partnerschaft erschafft man also nur dadurch, dass man gemeinsam den Weg durch das Problem hindurch findet und nicht indem man darüber streitet, es leugnet oder auf einem anderen Wege es abschaffen will.
Hier ein Beispiel dazu:
Immer wieder habe ich Klienten, die Angst haben sich 100% auf den anderen einzulassen, entweder aufgrund von Erfahrungen mit den Eltern oder mit vorherigen Partnern. Man hat ein inneres Versprechen, so etwas passiert mir nie wieder, so dass man aus Angst vor Verletzung sich nicht auf den anderen einlässt.
Nur so lange man sich und dem anderen nicht vertraut und somit die Situation kontrolliert, wird das immer zwischen dem Paar stehen und eine glückliche Partnerschaft ist nicht möglich.
Für den anderen ist in so einer Situation die Herausforderung sich nicht zurück zu ziehen, sondern das Vertrauen einzufordern, ohne Druck auszuüben, sondern ein eindeutiges Angebot zu machen:
"Du kannst mir vertrauen, ich bin für dich! Geh den Schritt."
Man kann ihn aber nicht vertrauen machen, sondern man muss dem anderen den Raum geben, den er braucht, um seine Schritte zu machen. Man hat außerdem keinen Einfluss darauf, ob der andere die eigene Haltung als Druck empfindet.
In so einem Fall ist meine Absicht in den Gesprächen, dass der Partner, der Angst vor Nähe und vor Verletzungen hat, erkennt, dass er zwar Angst hat, aber diese nicht ist. Er kann also wählen, ob er auf seine Angst und seine Schlussfolgerungen vertraut oder etwas Neues ausprobieren will, indem er sich dem anderen hingibt und vertraut. Vertrauen heißt nicht, dass man dem anderen ausgeliefert ist, sondern, dass man sagt, was man will und auf sein Urteilsvermögen vertraut, dass man sich einen vertrauenswürdigen Partner ausgesucht hat.
Dazu dienen das Gespräch und Übungen während der Coachinggespräche und zu Hause. Meine Absicht für den anderen Partner ist, dass er erkennt, wie er sich 100 % in die Partnerschaft einbringen kann, um dem anderen den Schritt zu erleichtern, ihm das Vertrauen zu schenken. Dabei ist es sinnvoll sich mehrere Coachinggespräche zu gönnen, damit Sie diesen Wandel in der Partnerschaft herbei führen können.
Der Weg zu einer erfüllten Partnerschaft für diese Paare war nicht mit der Angst umgehen zu lernen, sondern die Angst anzunehmen und durch sie durch zu gehen, um sich in diese neue Erfahrung von Vertrauen fallen lassen zu können.
Bielefeld, 19. Mai 2012
Artikel in der Neuen Westfälischen
Ich freue mich, dass ich für die Beilage NW Hochzeit, der Neuen Westfälischen als Paarcoach interviewt worden bin, zu dem Thema Partnerschaft und Heiraten und daraus ist ein interessanter Artikel geworden: "Im Gespräch bleiben, Paartrainerin Kerstin Girnus über die Ehe und ihre Folgen"
Hier schon mal ein Ausschnitt:
Endlich angekommen im Hafen der Ehe! "Falsch", sagt Kerstin Girnus. Die Paartrainerin setzt auf ein anderes Bild: "Die Ehe ist wie ein großes Schiff, was hinausfährt auf die Weltmeere, um gemeinsame Abenteuer zu meistern." Schon vor der Hochzeit sollten sich deshalb beide Partner genau im Klaren darüber sein, welche Ansprüche sie an ihre Beziehung stellen und welche gemeinsamen Ziele es gibt.
......
Wer den ganzen Artikel lesen will, hier der Link http://www.nw-news.de/_mr_daten/ebooks/564/flash.html
Bielefeld, 16. Mai 2012
"Unser allerbestes Jahr" von David Gilmour

„Eltern sind auch nur Menschen. Und was macht man mit einem Sohn, der nicht mehr in die Schule gehen möchte? David, der Vater, schlägt Jesse einen ungewöhnlichen Handel vor: freie Kost und Logis, aber drei Filme pro Woche. Von Truffaut über Hitchcock bis hin zu „Basic Instinct“. Nachmittage gemeinsam auf dem Sofa. Kein Kurs in Filmgeschichte, sondern viel Zeit zum Reden über falsche Freundinnen, die richtigen Fehler, verlorene und gefundene Liebe.“
So der Text zu der wahren und bewegenden Geschichte von David und Jesse.
David erkennt, dass der bisherigen Weg, Jesse weiterhin auf die Schule zu schicken eine Sackgasse ist und dass er ihn dabei irgendwann verlieren würde und geht neue Wege. Wie mutig von ihm und er will es niemandem Recht machen, sondern nur seinem Sohn eine neue Möglichkeit bieten, wobei er natürlich nicht weiß, ob es funktionieren wird. Er lässt ihm viel Raum, macht ihm keinen Druck und ist der Gesprächspartner für Jesse, den er in seinem Alter und in seiner Situation braucht.
Er ist auch immer wieder voller Zweifel und Ängste, ob er das richtige tut.
Am Ende des Buches sind die beiden für mich wie zwei gute Freunde geworden und ich bin dankbar, dass David Gilmour uns an seinen Erfahrungen mit seinem Sohn teilhaben lässt.
Bielefeld, 12. Mai 2012
Die Sinnlosigkeit des Jammerns

An einem Morgen in der letzten Woche, hat mein kleiner Sohn von 2 ½ Jahren sich die Zähne geputzt. Er hat einen kleinen, bunten Zahnputzbecher, der mit Wasser gefüllt war. Er nahm ihn und schüttete ihn aus.
Darauf sagte er „haben“ und zeigte auf den Abfluss. Ich erklärte ihm, dass das Wasser jetzt weg sei und er Neues haben könnte. Das wollte er nicht und zeigte wieder auf den Abfluss und meinte „haben“. Ich erklärte ihm wieder die Problematik. Ich kürze unsere Unterhaltung etwas ab, da sich der Dialog in genau der Art und Weise mindestens zehn Minuten weiter hinzog, nur dass sein „haben“ immer dringlicher wurde und er immer mehr anfing zu jammern. Am Ende weinte er bitterlich darüber, dass er das Wasser, das abgelaufen war, nicht mehr haben konnte. Ich habe ihn dann etwas getröstet, was aber keinen Unterschied machte. Erst als ich ihm sagte, dass wir gleich Ball spielen, was er sehr gerne mag, hat ihn in eine bessere Stimmung gebracht.
Was für ein tolles Beispiel dafür wie sinnlos Jammern und Klagen ist!
Wenn ich jetzt manchmal über etwas jammere und klage oder mich entwerte für etwas, was ich getan hab, dann denke ich daran, dass das wie das Wasser ist, das den Abfluss abgelaufen ist. Es ist vorbei und ich kann die Vergangenheit nicht ändern, sondern nur für die Zukunft daraus lernen.
Gerade gestern Abend konnte ich das wunderbar wieder anwenden. Ich lag schon im Bett und mir fiel ein, dass ich die Wäsche auf dem Wäscheständer im Hof habe stehen lassen und die Wahrscheinlichkeit, dass es in der Nacht regnen könnte, war groß. Ich fing an mich innerlich dafür zu entwerten und darüber zu klagen, dass ich das vergessen hatte: Wie doof, dass ich das vergessen habe, jetzt habe ich vielleicht morgen die ganze Arbeit noch mal, wie blöd von mir. Ich sagte zu meinem Mann „ich habe die Wäsche draußen vergessen, vielleicht stehe ich gleich noch mal auf, um sie reinzuholen.“ Er meinte „bleib doch liegen, es ist schon sehr spät, schlimmsten Falls musst du sie morgen noch mal in die Waschmaschine stecken.“ Ich war so dankbar, dass er mich nicht dafür entwertet hat und ich brauchte es auch nicht mehr tun. Mir wurde klar, dass ich nur etwas vergessen hatte und ich konnte mich dafür entwerten und über die mögliche Mehrarbeit klagen, oder es sein lassen, denn es änderte nichts an der Tatsache. Das ist wie das Wasser, das abgelaufen war, es ist wirklich sinnlos darüber zu klagen, dadurch kann ich die vergangene Erfahrung nicht verändern. Und dieses Mal, war das Wetter für mich, es regnete nicht.
Manchmal klagt man über das Wetter, einen verpassten Job, eine verflossene Liebe. All das ist unwiderruflich vorbei. Es ist zerronnen, wie das Wasser. Das Jammern und Klagen hindert einen nur daran aus den Erfahrungen zu lernen. Denn die Erinnerung bleibt einem und das Wissen, wie man zukünftig handeln möchte.
Bielefeld, 05. Mai 2012