Typische Probleme von Unternehmerpaaren

Wenn man nicht nur im privaten Bereich miteinander verbunden ist, sondern auch als Unternehmerpaar eine gemeinsame berufliche Ebene hat, kann das für die Partnerschaft sehr belebend sein aber natürlich auch extra Probleme erzeugen.

Manchmal kommen Ärztepaare zu mir, die eine gemeinsame Praxis haben. Sie sind beruflich gleichberechtigt und respektieren sich. Sie empfinden es als eine fruchtbare Verbindung, da man sich gut austauschen kann über berufliche Themen. Hier liegt allerdings auch eine Gefahr.

Wenn die beruflichen Themen überhand nehmen und man sich nicht mehr als Mann oder Frau sieht, dann fühlt man sich nicht mehr begehrt und wertgeschätzt. Es kann dann sein, dass man offen ist für Komplimente und Aufmerksamkeiten von anderen.

Fazit: Schaffen Sie sich immer wieder schöne, romantische Momente als Paar und klammern Sie bewusst die beruflichen Themen aus.
Die berufliche Konstellation, wenn man nicht auf einer beruflichen Ebene arbeitet, ist problembehafteter und häufiger Thema in den Coachinggesprächen.

Petra und Walter sind seit 20 Jahren ein Paar. Walter hat einen größeren Handwerksbetrieb und Petra arbeitet seit 4 Jahren bei ihm im Büro.
Sie nahm die Arbeit als einzige auch mal mit nach Hause und teilte es sich so ein, wie es ihr am besten passte. Sie haben drei Kinder, die noch zu Hause wohnen und zwischen 12 und 18 sind.

Er ist ein impulsiver Mensch und wenn ihm in der Firma was nicht passt, wurde er auch mal laut.
Walter war nicht wirklich einverstanden damit, wie sie sich die Arbeit einteilte und insbesondere damit nicht, dass sie Unterlagen mit nach Hause nahm. Er brauchte die Unterlagen selbst auch immer mal wieder im Büro und dann fehlten sie ihm. Das waren so Momente, wo er auch ihr gegenüber genervt und laut wurde. Ihr gefiel nicht wie er sich in der Firma verhielt sowohl den anderen gegenüber, als auch mit ihr und zog sich nicht nur beruflichen von ihm zurück.
Sie hatte sich innerlich abgewandt, das zeigt sich darin, dass sie fast nur noch über organisatorisches und weniger über persönliches mit ihm redete. Zärtlichkeiten und Sexualität wurden auch weniger.

Es viel ihm natürlich auf und die Verbundenheit und Nähe fehlten ihm. Er sprach es auch an, allerdings in einem vorwurfsvollem Ton, so dass sie erst Recht stritten und das Klima zwischen ihnen noch mehr belastet wurde.

Als sie zu mir kamen, waren sie kurz vor einer Trennung, was von Petra ausging, da sich Ihre Gefühle ihm gegenüber abgekühlt hatten. Er war zwar auch nicht glücklich, aber er wollte wieder die Liebe und Nähe, die er früher mit ihr hatte.

Ein wichtiger Aspekt von Partnerschaft ist die Augenhöhe, was das Wort Partnerschaft auch schon ausdrückt. Das funktionierte auch viele Jahre bei Petra und Walter gut. Es gab erst dann Probleme als sie seine Angestellte wurde.

Im beruflichen Kontext war Petra nicht auf der gleichen Funktionsebene wie Walter. Es entstand eine Durchmischen von Paar- und Arbeitsebene und es bestanden keine klaren Absprachen zwischen den beiden.

Sie nahm sich mehr raus in der Gestaltung ihrer Arbeit als andere Angestellte, ohne dass das abgesprochen war. Walter lies seine Unzufriedenheit über die Situation raus, indem er den launischen, lauten Chef raus lies.

Wenn er das bei den anderen machte, gingen diese nach Hause und beschwerten sich dort bei ihren Ehefrauen und -Männern über den nervigen Chef. Wenn Sie nach Hause ging, traf sie dort wieder auf ihn.

Im Coaching wurde ihnen die Problematik bewusst.
Man kann den angestellten Partner nicht genauso behandeln, wie die anderen. Man ist nie nur Angestellter, wenn man auch Partner ist.
Aber es gibt natürlich genug Situationen, da geht es um berufliche Themen im Führungskraft – Angestellten Verhältnis. Es ist wichtig, dass man sich dessen bewusst ist, indem man es äußert.

Er konnte nachvollziehen, dass sie seine launische Art im Büro nicht mochte. Er nahm sich dessen an und wir arbeiteten an seiner Unzufriedenheit. Wie kann er statt sie einfach rauszulassen diese umwandeln in eine wertschätzende Kommunikation.
Außerdem versprach er ihr, dass er berufliche Probleme, die sie betrafen mit ihr alleine besprach und nicht vor den anderen.

Petra verstand, dass sie im beruflichen Kontext sich mehr mit ihm absprechen muss und sie fanden eine gute Regelung.

Petra erfuhr im Coaching, dass es Walter ernst ist mit den Veränderungen und das berührte sie, so dass sie bereit was sich auf einen gemeinsamen Weg zu machen.

Kerstin Girnus, Bielefeld, den 07. Februar 2019


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