Was heißt eigentlich Verstrickung vs Verbundenheit?

Wenn man mit sich verstrickt ist, ist man es mit der Welt.

Vorwurf und Opferhaltung binden einen an diejenigen, die man beschuldigt und man macht sich unfrei. Viele Gedanken und Gefühle kreisen um die Schuldigen, die einem das Leben versauen. Man hat also den umgekehrten Effekt, den man eigentlich will: Frei zu sein von denjenigen, die einen Belasten. Insbesondere Eltern eignen sich als Schuldige.

Jetzt erst als Mutter von einem kleinen Sohn, kann ich meine Eltern und das Elternsein besser verstehen. Manchmal ist man vielleicht müde und ist dann ungerecht mit dem Kind, man fühlt sich überfordert und gleichzeitig quält einen das schlechte Gewissen, das man dem eigenen Kind gegenüber nicht den Ton gefunden hat, den man von sich selbst fordert. Man ist immer als Erwachsener verantwortlich für das eigene Verhalten gegenüber dem Kind und dass man immer eine gewisse Angemessenheit behält. Von der Sicht des Kindes ist es so, dass sie schnelle und starke Gefühlswechsel kennen und sie fühlen sich dann den Erwachsenen näher, wenn man nicht versucht immer gleichmütig mit ihnen zu sein, sondern einfach natürlich seine Gefühle zeigt und dazu kann einfach auch mal Wut oder angestrengt sein gehören.

Wenn man eine vorwurfsvolle Haltung seinen Eltern, seinem Partner, dem Chef oder den Kindern gegenüber unterhält – die Liste kann man beliebig verlängern – heißt das im Umkehrschluss, dass man genauso mit sich selbst spricht, vorwurfsvoll, verachtend, entwertend. „Das müsste ich doch schon längst geschafft haben. Ich bin viel zu dick. Ich bin nicht gewollt, nicht geliebt etc.“  Jeder hat seine Art mit sich selbst zu sprechen und die ist häufig nicht von Wertschätzung geprägt.
Diese Haltung vernebelt die eigene Sicht und das Verhalten anderer wird fehlinterpretiert, als wollte der andere einen Verletzten, wie man sich selbst auch jeden Tag verletzt und feuert zurück auf einen imaginären Angriff.

Wenn man anfängt in Liebe und Verbundenheit mit sich selbst zu sein und das negative Bild, dass man von sich hat, wandelt, kann man auf einmal frei sehen und die Wertschätzung und Liebe, die einem entgegen gebracht wird erkennen und annehmen. Sicherlich ist nicht jeder wertschätzend in der Kommunikation mit einem und wenn man sich selbst liebt, dann lässt man es nicht zu, dass über einen längeren Zeitraum jemand entwertend mit einem ist. Sagen was ist und seine Grenzen aufweisen, ist ein hoher Ausdruck von Selbstliebe und Wertschätzung dem anderen gegenüber, da es ihm die Möglichkeit für Selbsterkenntnis gibt, ob er es annehmen will, liegt nicht in unserer Macht.

Verstrickt zu sein, bedeutet durch Vorwürfe an jemanden gebunden zu sein und gleichzeitig Abstand haben zu wollen von diesem Menschen. Wenn man die Vorwürfe aufgibt und in Verbundenheit lebt, ist man in Liebe mit sich, den Menschen und der Welt verbunden und innerlich frei zu wählen wie viel Kontakt man will. Gefühle von Liebe und Wertschätzung machen einen innerlich weit und eine Opferhaltung eng und klein.

Eine vorwurfsvolle Haltung sich selbst und Menschen gegenüber zu unterhalten ist eine menschliche Erfahrung und Vorwürfe aufzugeben und in Wertschätzung zu leben ist ein natürlicher Zustand, den wir allerdings vergessen haben und es bedarf einiger Übung in dieser inneren Haltung zu verweilen.

Ich verfolge sowohl im Einzelcoaching als auch im Paarcoaching bzw. in der Intensiv-Paarberatung diese Absicht.

Bielefeld, 13. August 2013

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