Wendepunkte

Wendepunkte im Leben werden häufig auch durch Krisen verursacht.
So erging es mir auch vor 20 Jahren, als meine Cousine Anke an einer Herztransplantation starb. Sie war 10 Monate vor mir mit einem schwachen Herz und einem starken Willen geboren.
Wir verbrachten häufig die Ferien zusammen und waren eng miteinander verbunden.

Vor 20 Jahren war ihr Herz an seine Grenzen gekommen. Leider war ihr Körper schon so geschwächt, dass er die Transplantation nicht mehr verkraftete.

Es ist eine der schlimmsten Erfahrungen im Leben, wenn ein Mensch jung stirbt. Gleichzeitig waren wir auch dankbar, dass sie so alt geworden ist.

Ich dümpelte etwas in meinem Leben herum und wusste nicht, wo soll es beruflich hin gehen.
Ich hatte mein Jura Studium abgeschlossen, aber konnte mich nicht dazu entschließen den Weg weiter zu gehen und das Referendariat anzufangen.

Einige Wochen nach ihrem Tod. Es war ein sonniger Maitag fuhr ich mit dem Fahrrad durch die Kastanienallee in Berlin, wo ich damals wohnte. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern.
Ich dachte über Anke nach und über den Tod und dabei viel mir die Frage ein: „Wenn ich jetzt noch ein Jahr leben würde, was würde ich tun wollen?“
Meine Antwort war glasklar: „Ich würde die Coachingausbildung machen, mit der ich schon seit längerem gedanklich spielte.“ Mit diesem Gedanken war auch die Entscheidung getroffen.

Ich musste jetzt nur noch 13.000 DM besorgen und konnte loslegen; )
Zum Glück haben meine Eltern mich darin unterstützt und mein Vater hat der Bank eine Bürgschaft gegeben, so dass ich mich tatsächlich anmelden konnte und Anfang Juli 1998 die Ausbildung zu Coach begann.
Damit habe ich meine beruflichen Weichen gestellt, denen ich heute noch folge, was auch mit einer großen persönlichen Entwicklung einherging.

So ist aus einer elementaren Situation etwas Gutes erwachsen.
Dass eine Krise auch eine Chance sein kann, habe ich persönlich erfahren und so spreche ich daraus, wenn ich meinen Klienten sage, dass ihre Krise eine echte Chance ist für einen tiefreifenden Wandel.

P.S.: Das Bild ist an Pfingsten in Skagen entstanden. Meine Cousine wünschte sich, dass ihre Asche dem Meer übergeben wird, dort wo sich Ostsee und Nordsee begegnen. Seit dem fahren wir als Familie immer mal wieder zusammen nach Skagen.

Bielefeld, 02. Juli 2018, Kerstin Girnus

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