Der Paarcoach als Übersetzer

In meiner Tätigkeit als Paarcoach habe ich festgestellt, dass ein wesentlicher Teil meiner Arbeit darin besteht, alte und aktuelle Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und zu übersetzen, was der andere eigentlich damit gemeint hat.

So klären sich viele Überzeugungen auf, die sich mit der Zeit gebildet haben, indem man erkennt, was der andere eigentlich damit meinte.

Hier ein Beispiel: Ein Paar, das in der folgenden Situation ist, erzählte mir eine Streitsituation: Er hat zur Zeit Urlaub, so dass er mehr Zeit für sie hat, was beiden gut tut und ihnen die Möglichkeit gibt, Zeit miteinander zu verbringen und wieder ins Gespräch zu kommen, da sie sich seit einiger Zeit innerlich entfernt hatten. Sie fragte ihn, wie er sich denn die Zeit vorstellt, wenn er wieder arbeitet, weil er eine neue Position innerhalb der Firma  übernehmen wird. Er sagte, er  wüsste das noch nicht genau, weil er noch nicht weiß, was auf ihn zukommt. Sie sagte darauf hin, und wo bleibe ich? Und er antwortete, das weiß ich noch nicht und lass uns morgen darüber reden, was nicht passiert ist.

Sie zog sich darauf hin zurück und dachte, dass er keine Zeit mit ihr verbringen will und sie ablehnt und es wieder so wird wie früher, als er viel arbeitete und wenig Zeit für sie beide hatte. Er hat sich auch nach der Situation zurückgezogen, weil er den Vorwürfen aus dem Weg gehen wollte.

Ich habe ihn darauf hin gefragt, was seine Absicht mit seiner Frau ist, wenn er die neue Position beginnt. Er erklärte ihr und mir dann überzeugend, dass seine Prioritäten sich verändert haben und er nicht mehr so viel arbeiten will wie früher. Er wolle jetzt mehr Zeit mit seiner Frau und den Kinder verbringen und dass er einfach noch nicht genau weis, wie das konkret aussieht in der neuen Arbeitssituation.

Ich habe darauf hin ihre Frage noch mal mit ihnen genau betrachtet:

„Und wo bleibe ich?“. Das ist ein Vorwurf und sie sagte dazu, dass sie das so formuliert hat aus der Befürchtung heraus, dass es wieder wie früher werden könnte.

Ich erklärte ihr darauf hin, dass seine Antwort „das weiß ich noch nicht“ und das verschieben auf den Nimmerleinstag lediglich ausdrückte, dass er den Vorwurf nicht wollte und es nicht seine Absicht war ihr damit zu sagen, dass er sie nicht wollte. Er stimmte meiner Interpretation der Sachlage zu und sie konnte das jetzt auch so sehen.

Jetzt konnten wir noch einmal über die zukünftige, neue Arbeitssituation sprechen und die beiden klärten miteinander, was für sie dabei wichtig ist.

Beide waren glücklich, weil sie dabei erkannten, dass sie einander wollen und auch ein neues Miteinander von beiden beabsichtigt ist.

Meine Absicht ist durch meine „Übersetzungshilfe“ die Paare zu befähigen mit der Zeit selbst solche Situation zu klären, so dass ich überflüssig werde. Weil eins ist sicher, es wird auch in Zukunft Missverständnisse geben, nur jetzt haben die Paare Werkzeuge durch die Gespräche mit mir an der Hand, diese selbst zu klären.

Bielefeld, 11. Juli 2013

One thought on “Der Paarcoach als Übersetzer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.