Stirbt die Sexualität in der Ehe?

Muss man auf Lust und Abenteuer in einer langfristigen Partnerschaft bzw. Ehe verzichten, zugunsten eines vertrauten Miteinanders und einer gemeinsamen Familie?

Viele Paare machen diese Erfahrung: Die sexuelle Lust auf den anderen wird mit den Jahren immer weniger, bei einigen schläft sie auch ganz ein, spätestens wenn Kinder da sind und das Leben komplexer und stressvoller wird. Das Leben mit dem Partner wird immer mehr eine Organisationsgemeinschaft, wo es darum geht, Beruf und Kinder und irgendwie auch die eigenen Interessen zu managen und die Paarbeziehung rückt immer mehr in den Hintergrund.

Es gibt auch das Bild, dass man in den Hafen der Ehe einfährt. Was macht allerdings ein Schiff im Hafen? Es wird irgendwann abgetakelt.
Wir haben auf Sylt geheiratet und unsere Standesbeamtin hatte damals das Bild, dass man auf das Meer mit einem neuen, schönen Schiff hinaus fährt, um die Welt gemeinsam zu entdecken.
(vgl. auch den Artikel in der NW Hochzeit, indem ich zu diesem Thema interviewt worden bin: http://www.nw-news.de/_mr_daten/ebooks/564/flash.html)

Die öffentliche Meinung über die Ehe ist verbunden mit Sicherheit und Vertrautheit, aber nicht mit Lust und Abenteuer.

Allerdings wollen Menschen beide Pole leben:
Der Mensch will einen sicheren, vertrauen Rahmen mit einem geliebten Menschen leben, auf den man sich in allen Lebenssituationen verlassen kann.
Auf der anderen Seite hat man ein Bedürfnis nach Abenteuern, bei denen man eingetretene Pfade verlässt und sich Wünsche erfüllt, dazu zähle ich auch Sexualität zu leben. Sexualität wird auch genährt von einer Abenteuerlust, etwas Neues auszuprobieren und eine gemeinsame Leidenschaft zu leben.

In der aktuellen „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ ist ein Artikel zu Sexualitätsproblemen in der Partnerschaft, der nicht wirklich neue Aspekte erwähnt, allerdings wird am Ende eine neue Studie erwähnt, die ich sehr interessant finde. Danach ist jetzt sogar wissenschaftlich bewiesen, dass ein sexuell erfülltes Leben auch bei betagten Paaren möglich ist. In einem MRT wurde festgestellt, dass es Paare gibt, die nach dreißig Jahren noch richtig verliebt ineinander sind. Bei ihnen waren die gleichen Hirnareale aktiv wie bei jungen Paaren und ebenfalls aktiv waren Hirnregionen, die für Sicherheit, Vertrauen und Bindung zuständig sind.

Auch als ein Paar, dass schon lange zusammen ist, ist es also möglich in einem vertrauen Rahmen lustvolle Sexualität zu leben. Wer weis, was dann überhaupt erst möglich wird!

Wenn Sie eine erfüllte Partnerschaft und Ehe leben wollen, integrieren Sie beide Aspekte in Ihre Partnerschaft, so dass man aus einem vertrauten Miteinander neue Wege begehen kann.

Bielefeld, 17. Juni 2012 

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