Werde ich so geliebt, wie ich bin?

Die Sommerferien sind vorbei und unser Sohn geht wieder in die Schule, so dass ich wieder etwas mehr freie Zeit habe, neben den Gesprächen, Beiträge zu typischen Paarproblemen aus meiner Praxis zu schreiben. Ich habe schon wieder einige Ideen und Themen, die ich in den nächsten Wochen hier verwirklichen will.
Starten werde ich damit die folgende Aussage zu untersuchen: „Ich will so geliebt werden, wie ich bin!“

Das ist ein übliche Formulierung, die man erst mal vielleicht gar nicht hinterfragt, aber der Standpunkt an sich ist nicht erfüllbar.
Das denken entsteht sicherlich erst einmal aus vielen Situationen mit dem Partner, in dem man immer wieder kritisiert wird und vielleicht sogar Vorwürfe hört und abgewertet wird.

Irgendwann entsteht dadurch natürlich ein innerer Widerstand und man denkt, ich will nicht verändert werden, sondern so geliebt werden, wie ich bin.

Der Standpunkt ist allerdings nicht erfüllbar.
Es gibt viele Momente, da liebt man den andern und mag/ liebt auch sein Verhalten.
Es gibt aber auch Erfahrungen, die mag man nicht: Vielleicht Streitsituationen, Beschimpfungen oder wenn der andere sich zurück zieht.

Man liebt den andern, aber liebt man es auch, wenn man streitet? Die meisten sicherlich nicht.

Wenn man den andern immer so liebt, wie er ist, was passiert dann wenn er sich verändert?

Liebt man ihn dann nicht mehr? Das ist natürlich Quatsch und daran kann man sehen, dass die Aussage irreführend ist.

Man müsste also eigentlich sagen, ich liebe dich, und ich sehe du hast Ecken und Kanten.
Das heißt, ich liebe den andern immer und es gibt Situationen, die ich nicht so gerne mag, aber weil ich den andern liebe, sehe ich bei manchen Dingen darüber weg und bei anderen Themen spreche ich das an und kläre das.

Das heißt nicht, nur wenn du alles machst, was ich mir wünsche, dann liebe ich dich, das wäre bedingte Liebe und schrecklich.

Ich liebe den andern und deswegen sage ich, was mir nicht passt. Wenn ich den andern nicht lieben würde, wäre es mir egal.

Kerstin Girnus, Bielefeld, 14. September 2018 

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