Wir haben uns nichts mehr zu sagen

Wie kommt es, dass Menschen, die sich einmal sehr geliebt haben und sich zu Beginn ihrer Partnerschaft alles erzählt haben, nach ein paar Jahren sagen: Wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Es sind vor allem zwei Aspekte, die mir dazu einfallen:
Paare klammern wesentlichen Themen aus, die sie nicht oder nur am Rande mal ansprechen. Wenn einer oder beide viel arbeiten und die Partnerschaft und damit der andere immer mehr hinten an steht, lockert sich die gemeinsame Verbindung. Es ist für beide spürbar, es fühlt sich anders an, als zu Beginn der Partnerschaft, aber vielleicht denkt man, es ändert sich wieder, wenn man wieder weniger arbeitet. Keiner spricht es wirklich an, weil die Arbeit ja so wichtig ist, darüber können Jahre ins Land gehen. Wenn man miteinander redet, geht es nur darum das gemeinsame Leben zu organisieren, es muss keine schlechte Stimmung zwischen den beiden sein aber die innere Verbindung ist verloren gegangen.

Es gibt Streit und man ärgert sich im Stillen über den anderen, aber man spricht die wesentlichen Punkte nicht an und damit geht die innere Verbindung zum anderen verloren. Die Partnerschaft ist nur noch eine Hülle ohne Leben. So dass man irgendwann feststellt, wir haben uns nichts mehr zu sagen.

Der zweite Möglichkeit ist, dass zwar der eine immer wieder sagt, was ihm in der Partnerschaft fehlt und der andere will das nicht ändern und hört nicht wirklich zu. Das kann fehlende Sexualität sein oder dass der andere sich nicht so einlässt, wie man sich das wünscht. Der Partner, dem das fehlt, wird das sicherlich längere Zeit immer wieder ansprechen, bis er nicht mehr daran glaubt, dass von dem anderen zu bekommen und aufhört das einzufordern. Der Wunsch bleibt für ihn bestehen, nur kann er sich nicht mehr vorstellen, das von dieser Person zu bekommen. Er hört auf darüber zu sprechen und der andere denkt, jetzt ist das Thema beendet. Das Thema ist zwischen den beiden beendet, aber auch damit die Partnerschaft. Der Partner, dem etwas fehlt, hat über den anderen und die Partnerschaft resigniert und es gibt für ihn nicht mehr viel zu sagen.

Derjenige, der nicht gibt, was der andere will, ist nicht der Schuldige am Ende der Beziehung. Er ist einfach nicht bereit aus seinen eigenen persönlichen Gründen, die sehr wahrscheinlich in seiner Vergangenheit liegen, das zu geben.

Wenn nicht über wesentliche Themen in der Partnerschaft gesprochen werden oder dem einen nicht wirklich zugehört wird, um die Probleme zu wandeln, dann höhlt die Partnerschaft aus.

Wenn Paare mit dieser Thematik zu mir kommen, geht es darum, dass die beiden diese Themen miteinander besprechen, sich zuhören und eine gemeinsame Lösung dafür finden. Für mich ist es dabei wichtig, dass die Paare lernen Themen wertfrei anzusprechen und dass sie für sich die Erfahrung machen, dass sie gemeinsame Lösungswege finden können.

Bielefeld, 21. Juli 2012

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