Streit in der Beziehung: Die wichtigste Regel, um Streit zu vermeiden

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Streit in der Beziehung entzündet sich häufig an Alltagssituationen, die eigentlichen Gründe sind aber immer andere: Häufig fühlt man sich als Frau vom eigenen Partner allein gelassen mit den ganzen Aufgaben und nicht wertgeschätzt. Als Mann sieht man sich ständig kritisiert und hat den Eindruck gewonnen, dass man es nicht mehr Recht machen kann.

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Um überhaupt in die Situation zu kommen ein gutes Gespräch darüber zu führen, muss man aus dem Streiten aussteigen und anfangen ein klärendes Gespräch zu führen. Die wichtigste Regel, um das zu erreichen, ist: Dem Partner interessiert zuhören und das was er sagt annehmen.

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Kommunikation wird zum Ping-Pong-Spiel

Wie häufig antwortet man nicht auf das, was der andere sagt, sondern setzt seine eigene Sichtweise dem entgegen, so dass Kommunikation wie ein Ping-Pong-Spiel ist. Man will den Ball abwehren und schnell wieder ins andere Feld bringen, weil man sich zum Beispiel angegriffen, verletzt oder auch ertappt fühlt.

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Typische Beispiele für angehenden Streit in der Beziehung:

Frau: „Kommst du heute pünktlich nach Hause?“
Mann: „Es hat dich doch auch sonst nicht interessiert, wieso fragst du jetzt?!“
Frau: „Dann mach doch dein eigenes Ding!“

Mann: „Du hast gar keine Zeit mehr für mich, alles andere ist wichtiger!“
Frau: „Du bist doch auch heute Abend schon wieder mit Alex beim Sport!“
Mann: „Sport zählt doch nicht!!!“

Frau: „Wieso nimmst du nicht den größeren Topf für die Nudeln?“
Mann: „Wenn du es immer besser weißt, dann mach es doch selbst!“
Frau: „Ich wollte doch nur helfen!“

Du hast sicherlich auch selbst einige Beispiele für einen solchen Schlagabtausch. Es kann dabei bleiben oder sich ein großer Streit daraus entwickeln.

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Annehmen, was der andere sagt, ist die wichtigste Regel, um Streit zu vermeiden

Das was die erste Person gesagt hat, war im zweiten Fall ein Vorwurf und im dritten kommt es auf den Tonfall an. Die Kommunikation hat sicherlich schon vorwurfsvoll begonnen. Allerdings ist in allen drei Fällen vorwurfsvoll geantwortet worden und das, was die erste Person gesagt hatte, wurde nicht vom Partner angenommen.

Wenn das, was ich gesagt habe, nicht angenommen wird, setzt man noch mal nach, schon etwas ärgerlicher. Je nachdem wie häufig das vorher schon passiert ist, ist man entsprechend emotional.

Der Gesprächspartner reagiert in der Regel auf die Art und Weise der Kommunikation und schießt ärgerlich zurück, so dass man eine Ping-Pong-Situation hat.

Die Paare berichten mir immer wieder, dass es ihnen im Streit nicht in erster Linie darum geht den eigenen Standpunkt durchzusetzen sondern im eigenen Anliegen gehört zu werden.

Also wenn die Absicht gehört sein zu wollen eine wesentliche Absicht im Streit ist, dann kann ich Streit vermeiden indem ich das, was der andere sagt annehme.

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Annehmen heißt hier: Ich höre, was du gesagt hast und respektiere deinen Standpunkt als gleichwertig zu meinem, der vielleicht anders ist.

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In den oben genannten Beispielen würde das bedeuten:

Frau: „Kommst du heute pünktlich nach Hause?“
Mann: „Ich komme 5 Minuten später und freue mich auf dich!“


Die Frage einfach auf der Sachebene zu beantworten, ist ein Ausdruck davon, dass man das, was der andere sagt, angenommen hat.

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Mann: „Du hast gar keine Zeit mehr für mich, alles andere ist wichtiger!“
Frau: „Es tut mir Leid, dass dieser Eindruck entstanden ist, was möchtest du denn?“

Auf einen Vorwurf gelassen zu reagieren, ist sicherlich nicht einfach und braucht etwas Übung. Wenn jemand so spricht, wie der Mann im obigen Beispiel, bedeutet das, dass er den Wunsch hat, Zeit mit ihr zu verbringen. Er hat es nur ungünstig als Vorwurf formuliert, so dass die positive Absicht dahinter schlecht ankommt.

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Frau: „Wieso nimmst du nicht den größeren Topf für die Nudeln?“
Mann: „Ich weiß du willst mir helfen, aber ich möchte es auf meine Art und Weise machen.“

Der Mann drückt Verständnis für seine Partnerin aus und steht zu seinem Standpunkt.

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Wenn ich annehme, was der andere sagt, ebne ich den Weg dafür, dass der andere auch mir zugehört

Wenn ich den Eindruck habe, dass ich gehört worden bin, bin ich innerlich bereit, dem anderen zuzuhören.

So habe ich, indem ich interessiert zugehört habe, den Boden dafür bereitet, dass mein Gesprächspartner meinem Standpunkt zuhören kann.

Wenn ich davon spreche, dass es wichtig ist dem anderen zuzuhören und das was er sagt anzunehmen, meine ich nicht, dass man der gleichen Meinung sein muss. Ich respektiere lediglich, dass das die Sichtweise des andern ist. 

Es ist genauso wichtig sich und die eigene Sichtweise ernst zu nehmen und diese mitzuteilen. 

Es ist auch nichts gewonnen, wenn man dem andern zustimmt, aber eigentlich was anderes will. 

Das was man eigentlich will, wird sich Bahn brechen. Es zeigt sich dann nur zu einem anderen Zeitpunkt und vielleicht bei einem anderen Thema. Das ist immer ein Bumerang.

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Mehr Informationen zum Coaching:

Kerstin Girnus, Praxis für Paarberatung, Bielefeld, 05.05.2019


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