Teamfähigkeit

Wie teamfähig sind wir?


In den letzten Monaten ist die Teamfähigkeit der Paare, die auch Eltern von kleineren Kindern sind, stark auf die Probe gestellt worden. Es gab viele neue Situationen, die geregelt werden mussten: Wer übernimmt wann die Kinderbetreuung und wer hat die Erledigung der Schulaufgaben im Blick?
Hier ist man als Team stark gefragt, indem jeder seinen Teil dazu tut, sich gegenseitig zuhört, zugewandt und lösungsorientiert ist.


Wenn der Stresspegel steigt, wird die Kommunikation rauer


Wenn der Stresspegel allerdings steigt, dann wird es immer schwieriger das umzusetzen und statt Lösungen gibt es gegenseitige Vorwürfe:
„Immer hängt es an mir, dass die Kinder alle Aufgaben für die Schule erledigt haben.“
„Ich bin zwar im homeoffice, aber ich muss ja arbeiten!“ „Was meinst du, was ich hier tue!?!“
Dann geht man frustriert auseinander und als Frau fühlt man sich alleingelassen mit der Situation und als Mann ungerecht behandelt.
Wenn man das ab und zu als Paar mal erlebt, weil die Nerven blank liegen, ist das kein Problem, aber wenn das regelmäßig geschieht und man keine gemeinsamen Lösungen findet, zieht man sich immer weiter zurück.


Teamfähigkeit heißt auch die lösbaren Probleme zu lösen


Häufig genug waren die Paare nicht gut darüber im Gespräch, wie eine Kinderbetreuung und Aufgabenbegleitung aussehen kann . Es wurde vielleicht zwischen Tür und Angel geredet, wie man es machen könnte oder es wurde stillschweigend davon ausgegangen, dass derjenige der bisher mehr Zeit mit den Kindern verbracht hatte, das jetzt auch weiter machen würde.



Die 1. Regel, als Paar Teamfähigkeit zu zeigen heißt deswegen: Ein klares Setting schaffen

Schafft ein klare Situation (Setting), bei der beide wissen, jetzt besprechen wir wichtige Dinge. Das kann eine regelmäßige Verabredung sein oder situationsbezogen.


Bei der 2. Regel geht es um die Art und Weise der Kommunikation: Teilt euch wertschätzend mit!

Wie sieht aber eine wertschätzende Kommunikation konkret aus?

  1. Worum geht es? Was sind die Fakten?
    Teile dem anderen alles mit, was wichtig ist für ihn oder sie zu wissen.
    z.B. Frieda ist nächste Woche zwei mal verabredet und ich bringe sie hin.
  2. Ich Kommunikation und den anderen fragen
    Durch die Ich-Kommunikation drückt man aus, dass es sich um den eigenen Standpunkt handelt und nicht um Feststellungen über den anderen und Verallgemeinerungen, wodurch sich der andere auch schnell in Unrecht gesetzt sieht. Zum Beispiel: „Du kannst sie ja abholen, du hast ja abends nichts weiter vor.“ Damit verplant man den anderen und nimmt Begründungen, die man selbst logisch findet, das kann der andere allerdings anders sehen.
    Dadurch dass man in einer Partnerschaft ist, ist man auf Augenhöhe und ein Ausdruck davon ist, dass man den anderen fragt, ob er Aufgaben übernimmt und nicht einfach über ihn entscheidet.
    Prinzipiell ist es schon wichtig, dass beide sich 100 % verantwortlich für die Aufgaben sehen und es von beiden eine Bereitschaft braucht sich darum zu kümmern.

    Du kannst dich fragen:
    Was will ich?
    Wie sehe ich das?
    Z.B: „Es wäre eine Erleichterung für mich, wenn du sie abends abholen könntest. Ist das in Ordnung für dich?“
  3. In Möglichkeiten sprechen:
    Was möchte ich für die Zukunft und nicht was fand ich doof in der Vergangenheit. Manchmal muss man auch sagen, was man nicht gut fand. Häufig wird es dabei allerdings zu einem Vorwurf und der andere fühlt sich angegriffen und reagiert nicht auf das Thema, sondern den Vorwurf und man verstrickt sich wieder in sinnlosen Diskussionen.

    Unter 2 habe ich schon geschrieben, wie man es wertschätzend formulieren kann. Hier nun noch ein negativ Beispiel: „Du könntest ja auch mal Frieda abholen. Du geht einfach davon aus, dass ich das immer mache und unterstützt mich kein bisschen. Du hast nur die Arbeit und musst dich um nichts anderes kümmern und an mir hängt alles. Das mindeste wäre ja mal, Frieda nächste Woche von Carla abzuholen!“

    Du kannst dich fragen:
    Was wünsche ich mir vom anderen? Der andere muss eine Wahl haben, das drückt man mit einer Frage aus.
  4. Die Mitteilung ernst nehmen
    Wenn sich der eine wertschätzend mitteilt, braucht es natürlich auch ein Gegenüber, der auf die Wünsche des anderen ernst nimmt und darauf eingeht.
    Für ein Team braucht es zwei.
    Wenn beide Zeit für die Kinder haben, sind beide auch 100 % verantwortlich für sie. Also ist es ganz natürlich, dass die Ehefrau in dem Beispiel davon ausgehen kann, dass auch ihr Ehemann die Kinder abholen könnte.
    Manchmal überlassen die Männer gerne die Hauptverantwortung für die Kinder bei den Müttern, weil es einfacher ist oder auch weil sie ihre Freiheiten beibehalten wollen und reagieren dann eher abwehrend:
    „Ich brauche meine Zeit auf der Heimfahrt für mich um runterzukommen. Du hast doch nichts vor, dann kannst du das doch machen!“
    Besser wäre es: „Das mache ich gerne, wo muss ich hin?“ oder „ich habe an dem Tag noch einen längeren Termin, deswegen kann ich das nicht tun, aber gerne beim nächsten Mal!“ Das ist ein Ausdruck von Teamfähigkeit.

    Wenn man sich als Frau allerdings nicht von ihrem Mann unterstützt fühlt, dann zieht sie sich emotional zurück und als Mann sollte man sich dann nicht wundern, wenn die Zärtlichkeiten und Intimitäten weniger werden.

    Mehr dazu in meinem Beitrag: Warum Frauen nicht mit ihren Männern schlafen

Teamfähigkeit beruht auf Kooperationsbereitschaft


Eine Situation im gegenseitigen Einverständnis zu lösen, heißt, dass beide zugewandt sind und ihren Teil zur Lösung beitragen wollen. Emotional führt das zu mehr Verbundenheit und Nähe.

Ich hoffe, dass durch die detaillierte Beschreibung die eine oder andere Situation besser gelingt und dadurch die Coronazeit als eine Zeit im Gedächtnis bleibt, in der man sich auf den anderen verlassen konnte und es als eine Zeit der Gemeinschaft erfahren hat.


Kerstin Girnus, Praxis für Paarberatung und Eheberatung in Bielefeld, den 14. März 2021

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