Hochsensibel: In der Partnerschaft

Mein Partner ist nicht hochsensibel und versteht mich nicht. Hochsensible (HSP) reagieren anders auf Situationen als nicht hochsensible und das kann zu Missverständnissen und Streit in Partnerschaft führen.

Das Ehepaar, Friederike und Clemens sind in der rush-hour ihres Lebens. Sie haben zwei kleine Kinder und arbeiten beide. Sie arbeitet 30 Stunden und er Vollzeit, außerdem bauen sie gerade ein Haus. Sie sind in einer typischen Überforderungssituation!
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Hochsensible sind schneller überfordert


Hinzu kommt, dass sie hochsensibel ist. Veränderungen und Stress sind Gift für HSP.
Durch ihre feine Wahrnehmung, kommt sie schneller in eine Überforderungssituation und aus einer empathischen, zugewandten Person kann der verletzendste und vorwurfsvollste Mensch werden, den man sich vorstellen kann.
So war es auch bei Frederike.
Die Kinder schliefen noch nicht regelmäßig durch und sie war ständig gefordert, sowohl im Beruf, als auch Zuhause.
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Empathie schlägt in Vorwurf und Verletzung um


Hochsensible brauchen mehr Zeit, um sich zu regenerieren und wenn man das nicht hat, fällt es einem schwerer mit stressigen Situationen souverän umzugehen.
Ihr Mann konnte viel entspannter mit stressvollen Situationen umgehen.
Es war nur sehr schwer für ihn, dass sie immer häufiger einen vorwurfsvollen Ton mit ihm anschlug und manchmal ihn auch laut anschrie.
Er zog sich immer weiter von ihr zurück, indem er immer mehr die Zeit zu zweit mied aus Angst vor vorwurfsvollen Gesprächen.
Er hatte den Eindruck, er könne es ihr nicht recht machen.
Das führte bei ihr dazu, dass Sie sich emotional allein gelassen fühlte.
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Beschwichtigen ist das falsche Mittel


Wenn Sie ihm Vorwürfe machte, versuchte er sie zu beschwichtigen: „Du übertreibst immer, so schlimm ist das doch alles gar nicht!“ Das brachte sie erst recht auf die Palme, da sie sich missverstanden und nicht ernst genommen fühlte.
Für ihn ist wichtig, dass er sie in ihrer Emotionalität annimmt. Er wird dann schnell bemerken, dass die Emotionen schneller abebben, als wenn er versucht sie zu beschwichtigen, klein zu reden oder gar zu ignorieren.
Er braucht die Bereitschaft ein offenes Ohr zu haben und interessiert an ihr zu sein.
Mehr zum Annehmen, als die wichtigste Streitvermeidungsstrategie im vorgehenden Beitrag.
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Hochsensibilität erkennen


Im Coachinggespräch erlebe ich immer wieder Menschen, bei denen ich eine Hochsensibilität vermute und spreche das an.
Es ist für einen selbst beruhigend zu wissen, dass es einen Grund für die Art und Weise des eigenen Seins gibt.
Außerdem gibt es einige Bücher zu dem Thema, so dass man sich damit beschäftigen kann und eine Anleitung für sich bekommt.


Oder lese den Artikel zu der Buchempfehlung: Zartbesaitet und zu hochsensiblen Kindern.

Manchmal sind herausfordernde Situationen nicht zu vermeiden, wie bei der Frau in dem Beispiel. Es geht dann mehr darum einen Umgang damit zu finden.

  • Den hohen Anspruch, der auch typisch ist für Hochsensible, immer wieder mal loslassen und für sich klären, was ist eigentlich jetzt wichtig: Sich kurz hinzulegen und auszuruhen, um gleich eine entspanntere Mutter zu sein oder aufzuräumen?
  • Meist sind die inneren Vorwürfe Ausdruck der Überforderung, die man dann auf den Partner projiziert. Will ich diese wirklich ungefiltert über dem anderen auskippen und meinen Partner verletzten oder sozialverträglich sein?
  • Es geht mehr darum mit den inneren Vorwürfen zu arbeiten, indem man am besten dann, wenn man sich wieder innerlich beruhigt hat, sich fragt, was ist das Problem? Was muss ich diesbezüglich mit meinem Partner besprechen, um die Situation zu verbessern? Die Chancen für ein konstruktives Gespräch liegen höher, wenn man nicht mehr im Ärger ist.

Wenn beide ihren Teil dazu beitragen, werden Sie eine zugewandte und lebendige Partnerschaft leben können.
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Die Unterschiedlichkeit des andern respektieren


Menschen sind unterschiedlich, diese Erfahrung machen alle in Partnerschaft. Der andere ist anders, als ich. Das heißt aber nicht, dass das besser oder schlechter ist, sondern einfach nur anders.
Wenn man die negative Wertung rausnimmt, kann man auch wieder die Andersartigkeit des andern schätzen. Hochsensibel sein ist nicht schlechter oder besser, als nicht hochsensibel sein.
Wenn man von diesem Standpunkt ausgeht, kann man sehen, dass es gut ist, dass der Ehemann in dem Beispiel belastbarer ist und entspannter in den Situationen und die Ehefrau eine feine Wahrnehmung hat, die sie für die Familie einsetzen kann.

Kerstin Girnus, Paarberatung und Eheberatung in Bielefeld, 19. Mai 2019

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