Streit vermeiden: Aus Ping-Pong-Diskussionen aussteigen


Um Streit in Partnerschaft vermeiden zu können, muss man verstehen, wie er häufig durch Ping-Pong-Diskussionen entsteht.

Wie Streit in der Beziehung entsteht. Ein typisches Beispiel:


Er fängt meist harmlos an wie bei Maya und Tim:
Er sagte zu ihr: „Mein Joghurt ist ja aufgegessen!!!!“
Sie konterte sofort: „Wieso dein Joghurt??!!!!“
Tim: „Weil nur ich den normalerweise esse, deswegen MEIN JOGHURT.“ Maya: „Ich habe ihn bezahlt, also ist es auch mein Joghurt und wenn ich will, esse ich den auch!“
Er: „Das ist ja mal wieder typisch, alles musst du mir wegnehmen. Ich darf nicht mehr meine Freunde alleine treffen und wenn ich zum Fußballtraining will bist du auch ständig am meckern.“
Sie: „Geh doch zu deinen blöden Freunden, du kannst sie auch gleich mit in den nächsten Urlaub nehmen, OHNE MICH!“


Sie sind ein junges Paar von 25 und 27 Jahren, die seit vier Jahren zusammen sind und seit zwei Jahr zusammen wohnen.
Seit dem gibt es immer mal wieder Streit, der in den letzten Monaten häufiger und heftiger geworden ist.


Was ist passiert?

Es ist schon in den ersten beiden Sätzen von Maya und Tim eine Ping-Pong- Situation entstanden.
Tim hat sich geärgert, dass der Joghurt nicht mehr da war und das indirekt Maya in die Schuhe geschoben, als er allgemein formulierte: Mein Joghurt ist ja aufgegessen.
Beide wohnen allein, so dass niemand sonst in Frage kommt.


Die Art und Weise der Kommunikation

Maya hat auf die Art und Weise der Kommunikation reagiert:
Sie hörte den Vorwurf und konterte ihn.
Sie ist nicht gelassen mit dem Vorwurf umgegangen, sondern gleich darauf eingestiegen, weil Sie schon häufiger den Eindruck hatte, dass Tim ihr für seine Unzufriedenheit die Schuld gab.
Wenn man die Kommunikation mit einem Ballspiel vergleicht, war es eher Volleyball: Tim warf mit einem Vorwurf und Maya schlug sofort zurück.

Was Tim noch mehr ärgerte, da er sich unverstanden und abgelehnt fühlte und setzte noch einen drauf.


Durch die ersten zwei Sätze wurde schon der Samen für einen Streit gelegt.

Tim war enttäuscht.
Wie kann man aber Enttäuschung ausdrücken, ohne den andern ins Unrecht zu setzen?
Wenn man dem anderen nicht vor dem Kopf stoßen will, könnte man in solch einer Situation auch sagen: „Oh, der Joghurt ist aufgegessen. Ich dachte er wäre noch da und hatte mich schon darauf gefreut. Hast du ihn aufgegessen?“
Dann ist es kein Angriff und mit der Frage lädt er zu einem Gespräch ein.


Wenn Kommunikation wie ein Handballspiel ist

Diese Kommunikation ist vergleichbar mit einem Handballspiel.
Man wirft einem Spielkollegen den Ball zu.
Maya braucht sich durch die Art und Weise der Kommunikation nicht angegriffen fühlen.


Durch diese Kommunikation sieht man den andern nicht als Gegner, sondern Mitspieler.


Positive Intervention: Nicht auf die Art und Weise der Kommunikation reagieren und auf der Sachebene bleiben

Aber auch Maya könnte anders mit dem Vorwurf umgehen:
Man kann entweder auf die Art und Weise der Kommunikation reagieren, wie es Maya getan hat oder auf die Sachebene und die dahinter liegende Absicht.
Tim wollte den Joghurt essen, den es nicht mehr gab und war enttäuscht.


Sie könnte auch das aufnehmen, indem sie sagt: „Ja, das stimmt. Das tut mir Leid, dass du dich auf den Joghurt gefreut hast und er schon weg ist. Ich hatte den zwar eigentlich für dich mitgebracht, aber gestern hatte ich Hunger und es war nicht mehr viel da, so dass ich ihn aufgegessen habe. Ich bringe dir heute neue mit.“

In diesem Fall hat sie Tims Äußerung angenommen, wie einen Ball, den man annimmt. Sie hat seine Enttäuschung anerkannt und ihr Bedauern mit „es tut mir Leid…“ ausgedrückt und ihm einige Informationen dazu
gegeben, so dass er ihre Beweggründe besser verstehen kann.


Achtsamkeitsübung

Achte darauf, wann und wie die Kommunikation zu einem Ping-Pong-Spiel oder Volleyball-Spiel mit deinem Partner wird. Wenn es dir auffällt, halte kurz inne und reagiere nicht sofort darauf. Beobachte, ob sich dadurch die Kommunikation verändert.

Weiter lesen zu diesem Thema:
Streit in der Beziehung: Die wichtigste Regel, um Streit zu vermeiden
2 verschiedene Streittypen
Streitschlichtung nach der Gewaltfreien Kommunikation

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Praxis für Paarberatung, Kerstin Girnus, Bielefeld, 04. August 2019

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