Treue und Loyalität in Partnerschaft

Treue und Loyalität sind Grundbedürfnisse in Partnerschaft


Erst wenn Treue oder Loyalität fehlen, merkt man, wie essentiell sie für ein erfülltes Miteinander sind.
Es gibt verschiedene Fassetten von Untreue und noch viel mehr von Illoyalität in der Partnerschaft.
Alle sind schmerzhaft für den anderen und führen zu Unzufriedenheit, Rückzug, Streit und im schlimmsten Fall zur Trennung.
In diesem Beitrag widme ich mich den Fragen, welche Arten gibt es und was sind die Gründe?


„Mein Freund bespricht mehr mit seiner Mutter, als mit mir“


Die Loyalität in Partnerschaft kann gestört sein, wenn man häufiger auf den Rat anderer hört, wie Eltern oder Freunde.

Peter besprach all seine Probleme mit seiner Mutter, mit der er eine sehr enge Beziehung hatte. Der Vater war schon früh verstorben und sie sind eine symbiotische Beziehung eingegangen. Was sich auch nicht änderte, als er mit Lisa zusammen kam.
Er fuhr weiterhin häufig am Wochenende zu ihr und besprach alles Wichtige mit ihr. Er liebte Lisa, aber seine Mutter war weiterhin seine engste Vertraute.
Lisa war sehr frustriert darüber und fühlte sich wie das fünfte Rad am Wagen. Sie wollte die wichtigste Person in seinem Leben sein, mit der er alles bespricht. Sie stritten sich viel und er dachte irgendwann, dass sie etwas gegen seine Mutter hätte, was nicht der Fall war.

Aber sie hatte etwas dagegen, dass sie nicht die engste Vertraute in seinem Leben war, mit der er in erster Linie seine Probleme besprach.


Es störte sie, dass sie nicht die engste Vertraute in seinem Leben war.


Wenn es andere Menschen gibt, die dem anderen näher stehen, als man selbst, stört einen das in der Regel. Man befürchtet, dass der Einfluss der anderen Person größer ist, als der eigene und ein Keil getrieben werden kann. Was passiert, wenn die Mutter von Peter Lisa nicht mehr akzeptiert und interveniert?
Bestenfalls ist Peter hin und her gerissen. Im schlechtesten Fall kann es so sein, dass er sich mehr von Lisa distanziert und es zu einer Trennung kommt.
Es gibt sicherlich genug Fälle, wo es nie soweit kommen würde, aber es führt auf jeden Fall immer wieder zu Streit.
Ich denke, dass es ein Grundbedürfnis in Partnerschaft ist, der wichtigste Vertraute für den anderen zu sein und dass es in unseren Genen verankert ist.


„Meine Frau schreibt den ganzen Abend mit ihrer besten Freundin, anstatt die Zeit mit mir zu verbringen“


Es kann auch die beste Freundin oder der beste Freund sein, die Eifersucht hervorrufen.
Lisas beste Freundin hatte Probleme mit ihrem Partner und sie schrieben sich nun die letzten 2 Monate regelmäßig jeden Abend. Lisa wollte ihr helfen und manchmal auch nur etwas ablenken. Dabei merkte sie nicht, dass sie kaum noch Zeit mit ihrem Mann Frank verbrachte.
Er hatte viel Verständnisse, aber irgendwann war das aufgebraucht und er war neidisch auf die beste Freundin, weil sie mehr Zeit von seiner Frau bekam, als er.
Frank war nicht jemand, der Probleme ansprach, sondern sich eher zurück zog. Er ging nun auch mehr seine eigenen Wege, indem er häufiger zum Sport ging.
Irgendwann kam es dann doch zu einem großen Streit und Lisa hörte auf einmal wie es ihrem Mann die ganze Zeit ergangen ist.
Sie konnte es verstehen! Und sprach mit ihrer Freundin, dass sie das ständige, abendliche Schreiben abkürzen wolle, weil sonst ihre eigene Beziehung gefährdet war.


„Du bist doch krankhaft eifersüchtig, wir reden doch nur!“


Untreue fängt nicht erst mit sexuellen Handlungen an, sondern auch eine emotionale Untreue ist verletzend für den anderen.
Britta verstand sich sehr gut mit ihrem Arbeitskollegen. Aus beruflichen Nachrichten, wurden irgendwann auch private. Sie schrieben sich irgendwann jeden Tag, sagten sich guten Morgen und gute Nacht. Das Handy war nun ein ständiger Begleiter von Britta geworden.
Im Streit sagte sie auch manchmal gegenüber ihrem Freund Paul, sie könne sich eben besser mit Felix unterhalten, als mit ihm.
Sie machte ihm auch viele Vorwürfe, dass er krankhaft eifersüchtig wäre.

Um Streit zu vermeiden, traf sie sich ab und zu heimlich mit Felix und als es rauskam, gab es noch mehr Streit.

Britta hatte sich tatsächlich etwas verliebt und fand aber, dass sie keine Grenze überschritten hätte, da ja nichts körperliches zwischen den beiden geschehen war.


Manchmal ist die Frage im Paarcoaching: Wann fängt Untreue an?


Es gibt auch eine emotionale Untreue. Wenn man sich in jemand anderes verliebt, dann ist man emotional mehr beim anderen, als beim eigenen Partner und die Partnerschaft ist gefährdet.
Leben ist nicht nur schwarz oder weiß. Es gab sicherlich Gründe für Britta, warum sie empfänglich war für Gespräche mit Felix. Sie konnten entweder in der Partnerschaft liegen oder auch mit persönlichen oder beruflichen Themen zusammenhängen.
Wichtig in solchen Situationen ist: Sich einzugestehen, dass mehr Gefühle im Spiel waren, als man zugeben wollte und ins Gespräch zu gehen.
Sonst setzt man den anderen nur ins Unrecht und entfernt sich immer weiter.
Wenn man auch sexuell Untreu war, dann ist das sehr verletzend für den Partner und Vertrauen wieder zu finden kein einfacher Weg.
Weitere Beiträge dazu:
„Sagt mein Partner die Wahrheit?“
„Wie finde ich wieder Vertrauen in meinen Partner?“
„Missvertrauen, begründet oder unbegründet?“


Loyalität und Treue in der Partnerschaft heißt: Ich will, dass nichts zwischen uns!


Partnerschaft ist emotional am erfüllsten, wenn man sich nahe ist, sich vertraut und weiß, es kommt nichts zwischen uns.
Das ist allerdings kein statischer Zustand, sondern es bedarf immer wieder einer Wachheit und entsprechenden Gesprächen und Handlungen, um das immer wieder zu erschaffen.
Wenn man diese Verbundenheit und Nähe miteinander lebt, dann macht man sich selbst ein großes Geschenk.


Kerstin Girnus, Praxis für Paarberatung und Eheberatung in Bielefeld, 25. Oktober 2020

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